Künstlergalerie C&S, Innsbruck, 2008
Fenster, Türen, Wände, Böden werden als allgemeine
architektonische Gegebenheiten eines Raumes in die Zeichnungen verlängert,
Realraum und Bildraum gehen in einander über. Eine immer wieder auftauchende
stereotype Frauenfigur bespielt den entstandenen Zwischenraum.
Das Durchbrechen der Raumoberflächen – zum Raum hinter dem Raum
– ist die Handlungsanweisung für diese in Lebensgröße
gezeigte Protagonistin. In ihrer Bewegung von einer Raumseite zur anderen
ist sie immer in einer ambivalenden Übergangsposition dargestellt:
Tritt sie gerade in die Leinwand ein oder reißt sie sich gerade aus
dem Bildraum heraus, um in den realen Raum einzutreten und so zu einem rel
existierenden Individuum zu werden?
Diese Akteurin bleibt immer anonym, entzieht sich einer Identifizierung
durch die BetrachterInnen, indem sie fast ausschließlich in Rückenansicht
gezeigt wird. Sie scheint durch ihre steifen Gesten unbelebt, wie eine Humanoide
aus Science-Fiction-Filmen in einer symbolischen Position erstarrt. Der
Bildraum ist zugleich auch ihr psychologischer Raum, in dem diese entpersonifizierte
Protagonistin ihren Standpunkt (Identität) sucht. Durch ihre Darstellung
in Lebensgröße wird sie zu einem virtuellen Gegenüber, einem
Vis-à-vis und bevölkert ihren Bildraum wie reale BesucherInnen
den Ausstellungsraum.
Diese Zeichnungen verlassen ihre festgeschriebene Rolle als schlichte Bilder
an der Wand und fordern ihren Raumanteil ein, indem sie als selbstständige
Objekte im Raum stehen.